Wie unterscheiden sich Broadcast- und Computer-Monitore beim Color Grading?

Oder:
Wie unterscheiden sich professionelle Fernsehbildschirme und Computermonitore bei der Lichtbestimmung und Farbkorrektur.

Nicht immer erlaubt das Budget einer Videoproduktionen eine professionelle Lichtbestimmung, mit einem erfahrenen Lichtbestimmer, auf hochwertigen, kalibrierten Geräten durchzuführen. Die Entwicklung geht auf der anderen Seite im Videobereich immer mehr in Richtung größerer Bildschirme und damit auch in Richtung von sehr detaillierten Bildern mit über 4000 Pixeln in der Längsachse (4K) und damit zu ständig wachsenden Ansprüchen an die abzuliefernde Bildqualität. Wer nicht mit einem großen Beleuchterteam und viel Zeit unterwegs ist, für den empfiehlt es sich deshalb mit einem S-Log-Profil zu drehen, um hinterher noch die Möglichkeit zu haben hohe Kontraste und fehlende Aufhellung anzugleichen. Dies ermöglicht bei den meisten Kameras einen Kontrastumfang von ca. 14 Blenden, wobei das Videomaterial quasi in den mittleren Kontrastbereich hineingestaucht wird und beim unkorrigierten Betrachten matschig-flau aussieht. Dafür ist der Himmel im aufgezeichneten Signal nicht komplett weiß überstrahlt und das Gesicht des Darstellers nicht völlig schwarz gegen die Sonne, da innerhalb der gespeicherten Daten mehr Details und Strukturen vorhanden sind, als man auf Anhieb sieht.

In der Postproduktion im Folgenden einfach eine „Instant-Korrektur“, mit einer sogenannten LUT (Look up Table) durchzuführen, die die komprimierten Werte des S-Log-Profils in das HD-TV-Profil Rec.709 überführt, taugt bestenfalls für ein ansehnliches Bilderlebnis während der Schnittphase oder als Ausganspunkt für die danach folgende Lichtbestimmung (Neudeutsch: Color Matching – zwischen einzelnen Einstellungen oder Color Grading – als Farb- und Kontrastgestaltung).

Man hat gerade bei kleineren Produktionen oft das Problem, dass man mit nicht perfekt ausgewogenem Material nach Hause kommt, auf der anderen Seite teure Postproduktionsstudios aber außerhalb des Budgets liegen.

Das heißt: „selbst ist der Mann“ und von Blackmagicdesign gibt es die professionelle Lichtbestimmungs-Software auch noch kostenlos.

Wer schon mit Programmen wie After Effects, oder mit den Möglichkeiten von „FinalCut 7 – Color“ gearbeitet hat, für den ist der Umstieg, nach ein wenig Fachlektüre, nicht sehr schwer. Doch das ganze Unterfangen steht und fällt mit der Möglichkeit, das was man korrigiert auch richtig zu sehen. Neben der Software ist dies zuallererst der Monitor, bei dem grau gleich grau sein sollte und nicht graublau oder grüngrau und schwarz gleich schwarz und nicht dunkelgrau. Das heißt der Monitor muss kalibriert werden. Dafür gibt es Geräte wie den „Spyder“ oder andere Sensoren, mit denen man eine Kalibrierung durchführen kann. Doch ist das schon alles? Worin unterscheidet sich ein hochwertiger Computer-Monitor von einem 25.000 Euro Fernseh-Monitor (Neudeutsch: Broadcast Monitor)? Was bekomme ich mit einem mittleren Budget und wo liegen die Grenzen?

Der Farbraum

Das erste Kriterium ist der Umfang an Farben, die ein Monitor darstellen kann. Dafür gibt es Farbräume, die jeweils ein bestimmtes Spektrum von Farben in einem Farbschema auflisten. Natürlich sollte zumindest der Farbraum des HD-TV-Standards Rec.709 dargestellt werden können. Dies können alle Monitor, selbst günstige Computer-Monitore, da der Rec.709  (oder ITU-R BT.709) Farbraum nahe am sRGB Standard-Computerfarbraum liegt.

Folgende Farbräume werden für die oben gezeigten Monitor angegeben:
(das Sternchen* bedeutet: „fast, aber nicht vollständig“)

Sony BVM-E250A:
ITU-R BT.709, EBU, SMPTE-C, D-Cine*

Sony PVM-X300:
ITU-R BT.709

Canon:
DCI-P3, ITU-R BT.709, EBU, SMPTE-C und Adobe RGB* (mit neuer Firmware seit 2015 auch Rec.2020!)

Eizo:
AdobeRGB: >99 %, DCI-P3: 98 %, sRGB: 100 %, Rec.709: 100 %, EBU: 100 %, SMPTE-C: 100%, Rec.2020: 80 %

Was ist was?

  • Rec.2020 – der größte Farbraum mit sehr sattem grün, blau und rot (AdobeRGB deckt davon nur 52,1% ab, DCI-P3 nur 53,6 %), die Zukunftsnorm für die hochauflösenden Bilder
  • DCI-P3 – sehr großer Farbraum für das Digitale Kino (mehr Rottöne als AdobeRGB aber weniger Grüntöne)
  • AdobeRGB – bekannt aus der Fotografie, ein sehr großer Farbraum, wird meist in professionellen Fotokameras benutzt
  • SMPTE-C (NTSC) – alte amerikanische TV-Norm
  • EBU – alte europäische PAL-TV-Norm
  • ITU-R BT.709 (Rec.709) – Farbraum für das HD-Fernsehen, ist relativ klein
  • sRGB – Farbraum für normale Computermonitore (ähnlich zu BT.709), ist relativ klein, es fehlt vor allem in den kräftigen Grüntönen und im satten Rot

Auffällig ist der Rec.2020-Vollumfang für den Canon Monitor. Bisher meisterte selbst den kleineren DCI-P3 Farbraum nur ein spezieller Monitor von Dolby, der „Dolby PRM-4200 Professional Reference Monitor“ mit 42“ und 1920×1080 Pixeln für 35.000 Euro.
Beim Eizo fällt auf, dass er mit 80% Rec.2020 sehr viele grün-blau Töne abdeckt, die bei den anderen Monitoren fehlen. Für eine 100% Darstellung für die digitalen Kinoprojektoren (falls man nicht gleich einen solchen benutzt, was am meisten Sinn macht) eignet sich in dieser Auswahl nur der Canon Monitor, der zudem die Zukunft mit dem Rec.2020 in die Gegenwart rückt. Der E250 von Sony und der Eizo bilden jedoch auch sehr große, in der täglichen Arbeit gebräuchliche, Farbräume ab.

Fazit:
Wer für das HD-Fernsehen oder das Internet arbeitet, für den reicht der Farbraum von Rec.709 aus und dieser wird von allen Monitoren locker abgebildet. Wer für digitale Kinoprojektoren seine Projekte gestaltet, der sollte die Sache einem Fachmann überlassen, der sich nicht nur einen richtigen Kinoprojektor in sein Studio stellt, sondern wahrscheinlich auch noch den Canon Monitor für die Einstellungen, die er lieber am Monitor bearbeitet. Wer für die 4K-Zukunft gerüstet sein will, der sollte schauen, dass der Monitor möglichst viel von Rec.2020 abbilden kann. Und noch eine Nachricht spricht für einen erweiterten „Wide-Gamut-Farbraum“, nämlich die Einführung des neuen H.265 Internet-Codecs, der H.264 ablösen soll und auch Filmmaterial mit dem Farbraum AdobeRGB 1998 enthalten kann und somit die sRGB-Beschränkung für das Internet auflöst. Damit wird AdobeRGB bei Video, wie bei der Fotografie, der wichtigste Farbraum.

Der größte Farbumfang nutzt nichts, wenn der Monitor nicht kalibriert ist

Sony schreibt:
„The performance of every TRIMASTER EL monitor is precisely adjusted and inspected on gamma, white balance, uniformity, etc., by a highly robotized system and by professionally trained human eye at the final stage of manufacture prior to shipping. The BVM-E170A and BVM-F170A are equipped with a built-in color sensor, which allows the user to calibrate
the monitor’s color temperature (white balance) as needed without an external probe.  Calibration performance is minimally affected by ambient light. This function ensures color and gamma consistency, and reduces user maintenance tasks.“
Dies scheint jedoch nur für den kleineren E170 zu gelten und nicht für den E250 und X300. Für Firmen bietet Sony anscheinend einen Kalibibrierungsservice, das ist dann wohl eher für große Studios gedacht und nicht dafür, dass der freunliche Mann von Sony alle 200 Arbeitsstunden einem einen netten Besuch abstattet.

Canon DPV-3010
Für Canon muss man sich mit zusätzlichen externen Geräten behelfen.

„Use of a third-party external sensor allows calibration without a PC.“

Der Eizo,
ermahnt seine Benutzer alle 200 Stunden, dass es mal wieder Zeit wird eine Kalibrierung mit der dazugehörigen Software „Color Navigator“ und mit Hilfe des eingebauten Meßgerätes durchzuführen. Nachdem der Monitor ca. eine halbe Stunde warmgelaufen ist – oder automatisiert in der Nacht – klappt der eingebaute Sensor aus dem Rahmen heraus, misst eine lange Reihe von Testbildern durch und legt danach eine 3D-Kalibrierungs-LUT in den Speicher des Monitors. Über dieselbe Software lassen sich auch verschiedene Farbprofile einstellen oder auf einzelne Profile eine LUT (z.B. von S-Log3 nach Rec.709) oben drauf legen, die man per Klick ein- und ausschalten kann. Über eine Zweitmessung können dann nochmals Abweichungswerte ermittelt werden.

Fazit:
Vor dem Kauf eines Monitors sollte man sich auch überlegen, beziehungsweise beraten lassen, wie man das Gerät im Betrieb regelmässig kalibrieren kann.

Die Bit-Tiefe, oder wie genau darf es denn sein?

Was wir den meisten Computern nicht ansehen und was wir so gut wie nie bemerken ist, dass Computer permanent ein Problem mit der Genauigkeit von Berechnungen haben. Der Computer muss alle Zahlen die er berechnet in Speicherzellen legen, die dann für die jeweilige Berechnung reserviert werden müssen. Teilt man z.B. 16:9 = 1,7777777777777 und will mit dem Ergebnis weiter rechnen, so muss man sich überlegen, mit wie vielen Siebenern man weiter rechnen will. Genauso sieht es mit den Farb- und Helligkeitswerten aus. Wieviele Speicherzellen soll man z.B. für die einzelne Anteile von RGB berücksichtigen? Reicht z.B. 0,187 % Blau oder muss es 0,187383399373034791478383473928374 % Blau sein? Bei 10 Bit kann man 10 Binärzahlenzellen belegen was Milliarden von möglichen Farben sind, bei 12 Bit entsprechend mehr und bei 16 Bit wird es dann sehr sehr präzise. Die Frage ist hier auch, was bekomme ich denn über die Ansteuerung meines Monitors überhaupt herein? Ist der Monitor über 3G-SDI, HDMI 2.0 oder DisplayPort  verbunden.

Die Bit-Zahlen der einzelnen Monitore:

Sony spricht von einem 10-Bit RGB Panel, Canon spricht von 1024 Abstufungen und 10-Bit Farbtiefe für jede RGB Farbe, bei Eizo heißt es, man verwendet 16-Bit Look-up-Tables und kann 10-Bit Farbtiefe darstellen, also 10-Bit Eingabe, interne 16-Bit Verarbeitung und wieder 10-Bit Ausgabe.

Fazit:
10-Bit scheint momentan die magische Zahl zu sein, die alle Monitore können. Das alte HDMI konnte nur 8-Bit übertragen (256 Farbabstufungen pro Kanal) das neue HDMI (seit 1.3) kann jedoch mittlerweile 10, 12 oder 16 Bit pro Kanal, nur gibt es für 16-Bit wohl wenige Monitore. Der DisplayPort geht von 6-16 Bit. Die Lichtbestimmungssoftware DaVinci Resolve rechnet intern mit 32 Bit-Zahlen um Veränderungen durchzuführen:

„All image processing within DaVinci Resolve is GPU based at the deepest 32 bit floating point quality and with YRGB color space.“

Die Schwäche von 8-Bit Monitoren liegt sichtbar fast nur bei Farbverläufen und Farbübergängen, was Artefakte erzeugt, die nicht im Bildsignal liegen und die man dann vielleicht trotzdem zu korrigieren versucht.

Wie viele Pixel – wie groß – ist 4K?

„K“ steht für „Kilo“ also für 1.000, damit müsste 4K 4.000 Pixel bedeuten, tut es aber nicht!

Das analoge PAL-Fernsehen hatte 625 Zeilen,die nach gerade und ungerade getrennt (interlaced) in Halbbildern vom Elektronenstrahl abgearbeitet wurden. Die HD-TV-Norm hat sich beim „Full-HD“ oder „True-HD“ auf 1920×1080 Pixel geeinigt. Daneben gab es noch „HD-Ready“ oder „Half-HD“ mit 1280×720 Pixeln. Die Auflösungen werden über die Höhe als „1080p“ oder „720p“ bezeichnet, wobei „p“ für „progressive“ also für Vollbilder steht.

„4K“ meint manchmal 3840×2160 Pixel, also genau die vierfache Pixelzahl von „Full-HD“. Die 4K-Auflösung stammt aber eigentlich aus dem Kinobereich und meint dort 4K=4096×2160 Pixel, also eine etwas größere Breite. Die 38940×2160 heißen eigentlich nach der Norm UHD-1 (UHD-2 sind 8K mit 7680 × 4320 Pixeln) oder „UHD-4K“ und bei der Kinopixelzahl „DCI-4K“ oder einfach nur „4K“. Die meisten Filmkameras in einem Anschaffungsbereich unter 20.000 Euro nehmen 4K-UHD-1 auf.

Fazit:
Die obigen 30“ Monitore stellen alle die große 4K-Kinoauflösung von 4096×2160 Pixeln dar, die etwas breiter ist als die vierfache „Full-HD“ Auflösung. Nur der Canon bietet in der Höhe nochmals 400 Pixel mehr Platz. Er nähert sich damit anderen 30“ Computermonitoren an oder hat einfach Platz, um z.B. unter dem Bild noch den Timecode einzublenden.

Das Herz der Maschine, die Leuchtkörper die das Licht erzeugen

Hier teilen sich die Welten in LCD, Plasma und OLED.

LCD

LCD = Liquid Crystal Displays haben den Vorteil von genauen und stabilen Farben. Sie holen mittlerweile bei den Schwarzwerten gegenüber den Plasmabildschirmen auf und sind bei der  Lichtbestimmung weit verbreitet. Einige LCD-Bildschirme gibt es mit Antireflexions-Graufiltern, die störende Lichtreflexe der Raumbeleuchtung beseitigen, dies sollte aber selbst in einer Kleinvideoproduktionsstätte nicht nötig sein, da man den Lichteinfluss anderer Lichtquellen schließlich leicht korrigieren kann. LCDs brauchen – und das ist entscheidend – eine sogenannte Hintergrundbeleuchtung. Hier gibt es verschiedene Vorgehensweisen:

a. Wide-gamut CCFL, also Leuchtstoffröhren (Kaltkathodenröhren)
Leuchtstoffröhren haben in ihrem Spektrum meist einen sehr großen Farbraum (siehe KinoFlo Leuchten), der bis zum DCI-P3 Kinoprojektorenfarbraum heranreicht. Die Röhren brauchen allerdings 30 Minuten um „warm“ zu laufen. Sie sollten mindestens halbjährlich kalibriert werden.

b. Weiße LEDs
Weiße LEDs müssen nicht „warm“ werden und auch nicht „hochlaufen“, sie sind sofort auf Farbtemperatur. Der Farbraum entspricht allerdings meist nur 74% des DCI-P3 Farbraumes. Für das normale Rec.709 HD-TV ist dies jedoch kein Problem, sofern man es dabei belassen will. LEDs sind farbstabiler und müssen nicht so oft kalibriert werden.

c. RGB LED
Hier werden kleine Bereiche des LCD-Panels mit „Triaden“ also roten, grünen und blauen LEDs beleuchtet. Die LEDs sind dabei voll in ihrer Intensität einstellbar und befinden sich auf einem zweiten Hintergrundpanel (dual modulation). Hiermit erreicht man bei High-End-Bildschirmen eine optimale Hintergrundbeleuchtung. Da man damit bestimmte Regionen, abhängig vom Bild, in der zweiten Ebene steuern kann, führt dies im Endeffekt zu einem präzisen detaillierten und satteren Schwarz und insgesamt zu einem erweiterten Farbraum des Monitors. Diese Monitore kosten dann aber auch entsprechend (siehe Canon DPV-3010). Auch diese Monitore sollten relativ oft kalibriert werden.

Plasma

Hochwertige Plasma Bildschirme sind in der Vergangenheit oft bei der Lichtbestimmung eingesetzt worden. Sie haben ein kräftiges sattes Schwarz, einen exzellenten Kontrastumfang und kosten in großen Größen relativ wenig. Plasmabildschirme müssen relativ oft kalibriert werden und sie brauchen ebenfalls Zeit um „hochzulaufen“.
Plasmabilschirme haben jedoch zwei Nachteile:
Zum einen gehen Details in den satten Schwarzwerten oft verloren und zweitens gibt es einen „Auto-Helligkeitslimiter“, der ab einem bestimmten Stromfluss das Display dimmt, wenn die Helligkeit zu groß wird. (Der zweite Punkt betrifft aber weniger Video, sondern mehr Grafikdarstellungen.)

OLED

OLED = Organic Light Emitting Diode Displays gibt es bisher nur in kleinen Größen zu einem dafür um so größeren Preis. (Deshalb habe ich hier den Sony BVM E250A mit lediglich 24,5“ mit aufgenommen.) OLEDs brauchen keine Hintergrundbeleuchtung, haben erstaunlich satte Schwarzwerte und einen sehr großen Kontrastumfang. Bei der absoluten Schwarzdarstellung können einzelne Dioden einfach abgeschaltet werden, ohne dass vom Hintergrundlicht etwas durchscheint, dadurch wird es klarer und dunkler. Die Farben sind ebenfalls sehr leuchtstark und lebendig. Der OLED-Monitor muss nach einer halbstündigen „Hochlaufphase“ ebenfalls relativ oft kalibriert werden und hat nicht ganz optimale Seitenbetrachtungseigenschaften. Der große Nachteil ist aber, dass außer demjenigen, der eines der seltenen und teuren Exemplare sein Eigen nennt, niemand sonst das ausdrucksstarke Bild sehen kann. Für die Lichtbestimmung hat dies dann eigentlich genau den gegenteiligen Effekt, denn ich kann nicht einschätzen, wie das Ganze auf einem ordentlich eingestellten Normalo-Monitor/TV-Bildschirm aussieht.
Sony geht jedoch diesen Weg und hat mittlerweile einen 30“ Monitor in Entwicklung und nach Eigenaussagen, einen ganzen russischen Ü-Wagen mit OLED-Monitoren ausgestattet. Schön für den russischen Fernsehtechniker, wenn er vor dem Bolshoi-Theater in seinem Ü-Wagen sitzt und die Ballerinas begutachten darf.

Fazit:
Der Sony BVM E250A bietet OLED-Technik, leuchtstark und satt in den Farben, ein 30“ OLED wird von Sony bald auf den Markt kommen, wird aber dann sicher alle Preisgrenzen sprengen. Abgesehen von russischen Oligarchen, ist man auf der anderen Seite dann aber auch ziemlich einsam und alleine mit seinem tollen Monitorbild.
Der Canon DP-V3010 scheint das neue Maß aller Dinge zu werden. Er verfügt über ein IPS-LCD-Panel mit guten Seitenbetrachtungseigenschaften. Darüber hinaus hat der Canon eine hochwertige RGB-LED Hintergrundbeleuchtung, die ihn in allen Farb- und Lichtwerten weit nach vorne bringt. Seine Oberfläche besteht aus einem „reflexionsarmen Glanzfinish“.
Der Eizo CG318-4K ColorEdge besitzt ebenfalls ein IPS-LCD-Panel wie der Canon, aber nur mit einer normalen LED-Hintergrundbeleuchtung. Dennoch ereicht er einen sehr großen Farbraum mit 98% des digitalen Kinos und 99% von AdobeRGB, was für die normale TV- und Internet-Videoproduktion auch für die Zukunft ausreichend ist.

Zurück zur Ausgangsfrage:
Wie unterscheiden sich Fernsehbildschirme und Computermonitore bei der Lichtbestimmung und Farbkorrektur.

Vergleicht man den Computermonitor von Eizo mit den Bildschirmen des traditionellen Fernsehausstatters Sony oder des fast Fernsehneulings Canon, so gibt es im Grunde, bis auf den jeweiligen Aufwand, den man für ein optimales Bild treibt und die jeweilige Strategie die man verfolgt, keinen gravierenden Unterschied. Ganz im Gegenteil, der Eizo schlägt sich, bei einem Fünftel des Preises, geradezu sensationell; inklusive Selbstkalibrierung und großem Farbraum. Die normalen 30“ Monitore von Sony können ohne OLED-Technik, trotz des stolzen Preises von 21.000 Euro, da nicht mithalten.

Was bieten aber professionelle Fernsehbildschirme für den fünffachen Preis mehr?

Mit einem einzigen Satz könnte man sagen, allerlei Wichtiges, Essentielles und Nützliches im professionellen Fernsehproduktionsumfeld, sei es im Studio oder unterwegs im Ü-Wagen.

Die Anschlüsse

SDI = Serial Digital Interface hat sich aus der analogen Digitaltechnik entwickelt und über die ersten digitalen Formate bei den Fernsehstationen etabliert.  Die Signale werden seriell hintereinander gestückelt (multiplexen) übertragen. Man verwendet dafür in der Regel ein oder mehrere Koaxialkabel. (Diese waren bei der analogen Videotechnik sowieso schon vorhanden.)

HD-SDI gibt es seit 1998 und kann 1,485 Gbit/s weiterleiten, bei einer Kabellänge von bis zu 100 Metern. (Mit einem 100 Meter langen HDMI-Kabel würde man wohl nicht sehr viel am Ende vom ursprünglichen Signal sehen.)

3G-SDI schafft in einem Kabel 2,9 Gbit/s

6G-UHD-SDI schafft in einem Kabeln 6 Gbit/s und damit 4K-UHD

DisplayPort, ein eigentlich in der Computertechnik entstandener Anschluß, der hauptsächlich über die Erweiterung der Firma Apple über den „Mini DisplayPort“ und nun „Thunderboldt“ schnell verbreitet wurde. Der DisplayPort kann in seiner neuesten Spezifikation Datenraten bis zu 25,92 Gbit/s bewältigen. In den meisten Geräten wird er für die DCI-4K Übertragung mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde verwendet. (DisplayPort 1.3 schafft 5K mit ebenfalls 60 Bildern pro Sekunde) Viele Zusatzgerätehersteller in der Fernsehtechnik (Aja, Blackmagicdesign etc.) bieten jedoch mittlerweile (Jahr 2016) keinen DisplayPort-Anschluß mehr, sondern setzen neben SDI nun voll und ganz auf HDMI 2.0.

HDMI = High Definition Multimedia Interface aus dem Jahre 2003, kann in seiner Spezifikation 2.0, seit September 2013, eine Übertragung von 4096 x 2160 Pixeln, also DCI-4K Kinonorm, bei einer Bildfrequenz von 60 Bildern pro Sekunde bewältigen. Damit ist der bei den normalen Fernsehgeräten übliche HDMI-Anschluß 4K-profifähig geworden und hat den DisplayPort ziemlich verdrängt.

Die Anschlüsse der Monitore

Eizo CG318-4K ColorEdge
Hier liegt die momentane Achillesferse des Eizo CG318-4K ColorEdge. Laut Auskunft der Technikabteilung von Eizo Deutschland musste man bei der Entwicklung des Monitors noch auf den bis dahin etablierten HDMI 1.4 Standard setzen, da der 2.0 Level noch nicht technisch klar spezifiziert war.
Dies bedeutet für einen Monitor, der keine TV-Studio-SDI-Anschlüsse hat, dass er nur über den DisplayPort seine vollen 4096×2160 Pixel bei einer Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde darstellen kann. HDMI 1.4 schafft lediglich 24 Bilder pro Sekunde bei dieser Pixelrate.

Aber gerade bei einer so hohen Auflösung ist es, um einigermaßen ruckelfreie Schwenks zu erzeugen, zwingend nötig bei 4K in 50P, also mit 50 Vollbildern zu arbeiten!

Um bei der Lichtbestimmung oder auch beim Schnitt einen Ausgangsmonitor im Vollbild zu haben braucht man aber in der Regel eines der Ansteuergeräte von z.B. Aja oder Blackmagicdesign. Diese liefern jedoch nur SDI oder HDMI 2.0 und keinen DisplayPort mehr. Echte Konvertierer von HDMI 2.0 zu DisplayPort, ohne große Verluste und zu einem vernünftigen Preis, sind selbst in China nicht auf dem Markt. Es gibt einen chinesischen Exoten für 2.500 Euro, der das Endbild aber dann in 4 Teilbilder aufstückelt. Umgekehrt, also von DisplayPort zu HDMI 2.0 geht es einfacher und es gibt ein ordentliches Angebot auf dem Markt.

Arbeitet man mit der Lichtbestimmungssoftware Blackmagicdesign DaVinci Resolve, so braucht man für die direkte Vollbildansicht, ohne ständig zwischen Arbeitsansicht und Vollbild hin und her schalten zu müssen, zwingend ein UltraStudio 4K Gerät oder dergleichen. Diese haben aber alle keine DisplayPort-Ausgänge mehr sondern nur 6G- und 12G-SDI plus HDMI 2.0.

Was passiert, wenn man den Monitor mit dem HDMI 2.0 Signal an seinem HDMI 1.4 Eingang füttert habe ich nicht ausprobiert. Falls er ein ordentliches Standbild produziert, würde es für die Lichtbestimmung ja noch einigermaßen gehen, nur nicht für den Schnitt.

Für den normalen Betrieb lässt sich der Eizo-Monitor natürlich in seinem ganzen technischen Umfang über den Thunderboldt-Anschluss eines Macintosh Computers ganz regulär betreiben.

Sony
Sony bietet, was das Herz begehrt, SDI, HDMI, DisplayPort und komplette Anschlusseinheiten zum Austauschen, je nach Bedarf. Aber im Grunde ist man auf SDI spezialisiert und versorgt die Fernsehstudios mit für sie optimierte Technik. Nicht immer haben DisplayPort und HDMI die volle 4K-Unterstützung.

Canon
Canon bietet  mit seinem Vorzeigemonitor mehrere Dual Link 3G-SDI Eingänge und DisplayPort 1.1a, der eine der ersten Versionen war und kein 4K kann. Also im Grunde geht man davon aus, dass derjenige, der diesen Monitor kauft, auch in einer SDI-Umgebung zu Hause ist.

Was Sony und Canon sonst noch alles können
Underscann und Overscann, blue-only, flippen und Fernsteuerung, Signalanalyse und viele sonstige nützliche Dinge im Fernsehstudioalltag, die aber bei der mittleren bis kleinen Videoproduktion keine Bedeutung haben. Wichtige Dinge, wie das Verarbeiten von 3D-LUTs kann auch der Eizo.

Fazit:
Schon meinte man mit dem Eizo CG318-4K ColorEdge das technisch perfekte Schnäppchen des Jahres vor sich zu haben, bis man erkennt, dass man zumindest bis ein Upgrade auf HDMI 2.0 vorliegt, auf ein einziges, aber elementares Element, nämlich die Vollbilddarstellung bei 50 Vollbildern pro Sekunde und 4K, verzichten muss. Im normalen HD-TV Modus schafft das auch der bisher verbaute HDMI 1.4 Eingang, aber was macht man dann mit seinen schönen 4K-Bildern für die extra – mit Blick in die Zukunft – einen neue Kamera angeschafft wurde. Diese Einschränkung gilt nur beim Color Grading und der Vollbildansicht mit z.B. DaVinci Resolve und UltraStudio 4K Extrem, nicht beim normalen Betrieb über Thunderboldt/DisplayPort.
Im Ganzen betrachtet bietet der Eizo jedoch, zu einem großen Teil fast dieselbe Leistung wie seine fünf Mal teureren Kollegen. Der Unterschied zwischen für Fernsehanstalten optimierten TV-Monitoren und Computer-Monitoren ist somit nur in der Ausstattung und in den Zusatzleistungen ein grundsätzlicher, in der technischen Bilddarstellung gibt es aber hier wie dort verschiedene Wege zum optimalen Bild, die jedoch meist LCD plus optimierte Hintergrundbeleuchtung heißen, mit der Möglichkeit zur einfachen Kalibrierung und dem Verwenden von 3D-LUTs.

 

Autor: Thomas Hezel

 

 

 

 

 

 

 

3 thoughts to “Wie unterscheiden sich Broadcast- und Computer-Monitore beim Color Grading?”

  1. Hallo, habe den Artikel mit großer Aufmerksamkeit gelesen, hatte mich zwar vorher schon für den Eizo entschieden, aber jetzt weiß ich mehr. – Eizo zum HDMI Update drängen! 😉
    Vielleicht könne mir darüber hinaus jemand eine Frage beantworten. Eizo macht bei REC 709 zwar die Temperatur und den Farbraum auf 709, jedoch ist standardmäßig das Gamma dann bei REC 1886. Ist wohl dem LCD geschuldet? – Gamma auf auf 709 sieht viel heller aus und die Helligkeit sollte ja bei einem eingemessenen Monitor stimmen?! – Eizo Techn. Hotline kommt man leider nicht durch. Und im Internet habe ich auch noch keine passende Antwort gefunden… Weiß jemand mehr?

    1. Hallo Christian,
      das Gamma bei Rec 709 ist weder 2.2 noch 2.4, es ist im dunkelne Bereich eher beim Einen und im hellen Bereich eher beim Anderen, d. h. es ist eine eigene Gammakurve, die nicht genau logarithmisch ist. Wenn es nach der Lichtbestimmung zu hell ausseiht, dann erst mal ausschließen, dass man das Endergebnis nicht mit Quicktime oder FCP-X betrachtet, denn Quitcktime und die darauf aufbauenden Programme, haben einen „Gamma-Shift“, bei dem sie die Tiefen ein wenig anheben. Das Schwarz wird flau. Warum auch immer – das hab ich noch nicht rausbekommen. Vielleicht hat Steve Jobs diese Geheimnis mit ins Grab genommen oder es hat mit den dickköpfigen Entwicklern bei FCP-X zu tun, die eh denken, der User solle gefälligst das tun, was sie glauben was für ihn gut ist. Ob Eizo das Gamma nach Rec-709-Norm oder bei den voreingestellten Profilen nach 2.2 oder nach 2.4 einstellt, kann ich nicht sagen. Es gab mal ein spezielles Rec 709 2.4 in den Voreinstellungen. Ich bleibe eigentlich immer beim 2.2 oder nehme das voreingestellte Rec 709 in der Hoffung, dass es vielleicht auch das definierte spezielle Gamma für Rec 709 ist.
      Würde mich aber über nähere Infos ebenfalls freuen.

      1. Update 30. April 2018
        Es gibt einen neuen 30 Zoll Monitor von Eizo, der wohl auch 60 Bilder/s macht bei 4K über HDMI.

        Zum Anderen habe ich endlich herausbekommen, was es mit dem Gamma bei EIZO/Norm auf sich hat. Wichtig zu unterscheiden ist „Rec 709“ bezieht sich auf den Aufnahmeprozess optisch -> elektronisch, wohingegen „Rec 1886“ sich auf den Wiedergabeprozess bezieht als elektronisch -> optisch. Für den Monitor zählt also „Rec 1886“, das per Norm auf ein Gamma von 2.4 festgelegt ist und duch die EIZO-Voreinstellung „Rec 709 Gamma 2.4“ realisiert wird. Die EIZO-Voreinstellung „emulate Rec 709“ produziert ein Mischgamma der Aufnahmekurve (optisch -> elektronisch), das ungefähr wie Gamma 1.9 aussieht, also ziemlich flau ist.
        Wichtig ist auch noch die Helligkeit. Voreingestellt sind 80 cd/qm das ist ebenfalls etwas schwach und nur im abgedunkelten Raum optimal. Die einschlägigen Fachbücher raten für die Lichtbestimmung von Filmen zu einer Helligkeit zwischen 80 cd/qm und 120 cd/qm, also liegt man mit 100 cd/qm sehr gut. Mir ist das Gamma 2.4 zu knackig im Schwarz, weshalb ich mit Gamma 2.2 arbeite, da ich dafür ein Gefühl entwickelt habe und weiß, wie es am Ende auf den üblichen Monitoren wirkt.

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